Chronik


 

Das abseits von Bundesstraßen, Autobahnen und Eisenbahnen gelegene, stark landwirtschaftliche geprägte Dorf Petterweil erlebte erst in den 60er Jahren einen ungeheuren Aufschwung, als umfangreiche Neubaugebiete erschlossen wurden und der Ort um ein mehrfaches vergrößerte. Seit der Jungsteinzeit dürfte der Petterweiler Gemarkungsboden von Menschen mehr oder weniger dauerhaft besiedelt worden sein.

Das Dorf Petterweil ist wahrscheinlich erst im Spätmittelalter, wahrscheinlich um 1400, in seiner bis zum letzten Jahrhundert bewahrten Grundrissform entstanden. Typisch ist auch in diesen, ehemals befestigten Wetterauerdorf die enge, spätmittelalterlichen-frühneuzeitliche Gehöftanordnung. Dieser im Spätmittelalter entstandene, heutige alte Dorfkern, liegt eigentlich am Auslauf eines von Nordwest nach Südost absteigenden Hanges(1) an der Niederung "der" Wäschbach. Als älteste gesicherte urkundliche Erwähnung von Petterweil gilt die 801 Oktober 20 erfolgte Schenkung des Beringer in Phetterenheim.

Das Dorf Petterweil ist wahrscheinlich erst im Spätmittelalter, wahrscheinlich um 1400, in seiner bis zum letzten Jahrhundert bewahrten Grundrissform entstanden. Typisch ist auch in diesen, ehemals befestigten Wetterauerdorf die enge, spätmittelalterlichen-frühneuzeitliche Gehöftanordnung. Dieser im Spätmittelalter entstandene, heutige alte Dorfkern, liegt eigentlich am Auslauf eines von Nordwest nach Südost absteigenden Hanges(1) an der Niederung "der" Wäschbach. Als älteste gesicherte urkundliche Erwähnung von Petterweil gilt die 801 Oktober 20 erfolgte Schenkung des Beringer in Phetterenheim.

In Petterweil konnte jedoch bekanntlich besonders Kloster Fulda 780 und 802, außerdem durch eine im Oktober 825 vollzogene Schenkung zahlreiche Güter und Rechte durch Schenkungen erwerben. Vermutlich bestand schon recht früh in dem älteren, bedeutenden Ort Petterweil eine Kirche, die dem heiligen Martin geweiht war. Diese Kirche ist zuerst in dem um 1000/1039 zusammengestellten Einkünfte- und Güterverzeichnis des Klosters Fulda nachweisbar. Die im Spätmittelalter als Filialen der fuldischen Mutterkirche Petterweil auftretenden (oder zu vermutenden) Orte hatten entweder kein eigenes Gotteshaus (so Ober-Petterweil, Hülshofen und lange Zeit auch Kloppenheim) oder ihre Kapelle wurde erst spät durch Stiftungen und Dotationen(2) aufgewertet.

Aus romanischer Zeit, wohl der Zeit um 1200/1250, stammen die ältesten kunstgeschichtlich nachweisbaren teile der Petterweiler Kirche, das schlichte Westportal und wohl auch das Weihwasserbecken. Die im Kern noch romanische Saalkirche wurde mehrfach umgebaut. Starke Zerstörungen fanden 1635 statt, 1653 die erste gründliche Wiederherstellung. 1788, 1905/1906 und 1959 fanden weitere Renovierungen statt. Der wuchtige Dachreiter stammt in seiner heutigen Gestalt erst aus dem 19.Jahrhundert, hatte früher eine wesentliche höhere gotische Dachspitze.

Der ehemalige "Solmser Hof" westliche der Kirche, dessen Wirtschaftsgebäude 1992 für Eigentumswohnungen abgebrochen wurde, stammt aus der karolingischer Zeit und wurde als Wirtschaftshof des Klosters Fulda genutzt. Fulda verkaufte den Fronhof 1352 an Kloster Arnsburg. 1487 verpfändete Arnsburg den Hof kurzzeitig an den Deutschen Orden, bald darauf ist der Hof (wohl vor dem Bauernkrieg 1525) an den Grafen von Solms(3) gekommen, in dessen Hand er als Pachthof bis in unsere Zeit kam.

Das Dorf Großen Peterwyle mit zahlreichen Rechten in Petterweil und etlichen Nachbardörfern ging 1390 durch Kauf an die Territorialherren von Falkenstein von Fulda gekommen. Unmittelbar darauf scheint das verkehrsgünstig gelegene Dorf von den Falkensteinern befestigt worden zu sein, wobei vermutlich auch eine Wasserburg in der Nordostecke der Ortsbefestigung erbaut wurde. Das an der Frankfurter Messestraße liegende Dorf wurde mit Wall und Garben, mit festen Toren, mit Mauern und weiteren Türmen gesichert. Die meisten Türme waren bis zum 18. bzw. 19. Jahrhundert vorhanden. Bekannt sind der "Stumpfe Turm", der "Dicke Turm", der "Hohe Turm" und der Turm bei der sehr hohen Oberpforte.

In die Burg wurde ein Burgmann gesetzt. Später saßen in der Burg, die lange zweigeteilt war, die jeweiligen Amtleute und sonstigen führenden Beamten der Dorfherrschaften. In dem "Schloß", "Flecken" oder "Tal" genannten kleinstadtartigem Petterweil wurden auch Juden angesiedelt, die den Handel fördern sollten. In der Neuzeit wird Petterweil gewöhnlich "Flecken" genannt oder bezeichnen sich selbst (1619) auch als "freyer Fleckenn".

Die Falkensteiner öffneten 1394 ihren festen Ort der Stadt Frankfurt und verpfändeten gleichzeitig einen Anteil daran (1/4). Durch Erbteilungen und Verkauf waren Teile Petterweils an verschiedene Grafschaften (u.a. Grafen von Sayn und Grafen von Isenburg) verteilt.

Im 18. Jahrhundert werden als Solms-Rödelheimisches Zubehör, zu den zwischen 1764 und 1792 verliehenen Häusern, Gebäuden und Scheunen in Petterweil, u.a. das "Hofhaus" und "das alte Burghaus" mit wechselnden Beträgen aufgeführt. Bei dem "alten Burghaus" handelt es sich ohne Zweifel um das heute noch im Kern bestehende Hauptgebäude der ehemaligen Burg, das bis zum Verkauf an Hessen-Homburg solmsisch war.

Als Petterweil im Bauernkrieg aktiv war, wurde es deshalb bestraft. Die Strafe der Herrschaften bestand im Entzug des Weinschank-Privileg(4). 1656 und 1659 wurden Petterweiler/Innen der Zauberei bezichtigt. Mehrere zunächst eingekerkerte Frauen wurde als Hexen hingerichtet. Zeitweise standen bis zu 26 Personen gleichzeitig unter dem Vorwurf der Hexerei, etwa ein Zehntel der Gesamtbevölkerung.

Die günstige Verkehrslage machte Petterweil seit dem 14.Jahrhundert zu einem wohlhabenden Dorf. In der frühen Neuzeit gab es in Petterweil etwa 10 relativ große Bauernhöfe.

Seit dem 18. Jahrhundert erfolgte überall in Europa der Bau von Kunststraßen(5). Um 1800 wurde die große Straße von Frankfurt nach Kassel chaussiert(6). Die zum Ausbau erwählte Trasse über Dortelweil, Kloppenheim, Okarben, Ober-Wöllstadt und nicht über Petterweil, so dass dieses verkehrsmäßig und wirtschaftlich "ins Abseits" gedrängt wurde. Die Unzufriedenheit der Petterweiler schürte den am Ort schon im Bauernkrieg erkennbaren Widerstandsgeist, so dass z.B. 1848, am Vorabend der Revolution , das Löschen der in Brand stehenden Herrschaftlichen Zehntscheune verzögert wurde. 1848/1849 war Petterweil unter Führung seines bereits im Vormärz Widerstands erprobten Pfarrers Christian Heinrich Flick (1790-1869) und unter dem Bürgermeister Georg Holtzmann (1791-1893) eine der Hochburgen der Freiheitsbewegung in der Wetterau. 

Der Führer der "Linken" im Paulskirchparlament, Robert Blum (1807-1848), hielt am 9.7.1848 vor einer Wetterauer Volksversammlung auf der Bauchwiese vor dem Dorf eine zündende Rede, die letzte vor seiner unrechtmäßigen Erschießung in Wien. Zur Erinnerung wurde ein Gedenkstein(7) gesetzt, der bis heute Mittelpunkt des Gedenkens an den Demokraten geblieben ist.

Die Reformation wurde 1545 eingeführt. Luthers Forderung nach der Einrichtung von Volksschulen kam man bald nach. Im evangelischen Pfarrort Petterweil wurde bereits um 1580 eine Schule gegründet. Die erste Schule befand sich in unmittelbarer Nähe der Kirche. Dort entstand 1910 auch ihre Nachfolgerin.

Die dem heiligen Bardo geweihte neue Katholische Kirche wurde 1965-1967 erbaut. Ein wichtiges Gemeindezentrum(8) erstand 1967 gegen Ende der Gemeindeselbstständigkeit. 1974 wurde die neue Grundschule eingeweiht. Die neue Sporthalle wurde 1975 ihrer Bestimmung übergeben. 1994 wurde die Verkehrsanbindung zur B3 auch für Radfahrer durch den Bau eines Radweges erheblich verbessert.
In Petterweil leben heute über 3500 Einwohner.

1 Sogenannte "Talhanglage",  2 Ausstattung mit Vermögenswerten,  3 später Solms-Rödelheim , 4 Unterwerfungsurkunde der Gemeinde Petterweil 1526,  5 Chausseen,  6 Feste Fahrbahndecken erstellen,  7 einziges Denkmal in Deutschland!,  8 Albert-Schäfer-Haus

(Quelle: Karbener Hefte 15; 1995 - 25 Jahre Stadt Karben, Dieter Wolf, Historische Kommission Karben; Bilder: Petterweil - Aus der Geschichte eines Wetterauer Dorfes, Heinz-Felix von Gruner, Walther F.E. Resch)